Qualität & Sicherheit

Wie Sie die Sicherheit in der Tankwagenentladung gewährleisten und Unfälle vermeiden

Donauchem
Die Tankwagenentladung ist eine jener Schnittstellen, wo es am häufigsten zu Unfällen mit schweren Verletzungen kommt. Mit einem fundierten Sicherheitskonzept auf verschiedenen Ebenen können viele Gefahren bereits im Vorfeld entschärft werden.

 

Welche Risiken sind mit der Tankwagenentladung verbunden?

Beim Umschlag von Gefahrgütern können verschiedenste Gefahren durch den Austritt dieser Stoffe in Folge von Leckagen oder durch Überfüllung des Lagertanks auftreten. Folgende Auswirkungen können damit verbunden sein: 
  • Direkte Gefährdung oder Verletzung von Personen
  • Verunreinigung von Boden und Gewässern
  • Verunreinigung der Luft durch toxische Gase aus den ausgeflossenen Säuren bzw. Laugen (z.B. NOx aus rauchender Salpetersäure oder durch Reaktion von Salpetersäure mit oxidierbaren Stoffen)
  • Exotherme Reaktionen
  • Bildung toxischer Gase durch chemische Reaktion (z.B. Cl2 durch Reaktion von Hypochlorit mit einer Säure)
Schlauchriss und damit verbundene Gefahren
Ein Schlauchriss oder Rohrleitungsgebrechen verursacht unkontrollierten Produktaustritt mit gefährlichen Folgen für Mitarbeiter, die sich in der Nähe aufhalten. © J.Stockinger, Donauchem 2020

 

Welche Entlademöglichkeiten gibt es?

Beim Entleeren von Medien aus Tankfahrzeugen kommen verschiedene Technologien zum Einsatz, die unterschiedliches Gefahrenpotential in der Anwendung aufweisen.
 

1. Entleerung durch Abpumpen

Die Tankwagenentladung erfolgt durch selbstansaugende Pumpen und Kreiselpumpen mit oder ohne Ansaugbehälter in beheizter oder unbeheizter Ausführung.
 

2. Entleeren durch Schwerkraft

Aufgrund des Höhenunterschiedes der Behälter läuft die Flüssigkeit ohne Fremdenergie in den tiefer stehenden Behälter.
 

3. Entleeren mittels Druck

Chemikalien transportierende Tankwägen werden meist mit Druckluftunterstützung entleert (max. Druck: 3 bar). Nach Öffnen der Absperreinrichtungen wird die Flüssigkeit einerseits durch Schwerkraft, andererseits durch das Druckluftpolster oberhalb der Flüssigkeit herausgedrückt. Dabei wird mittels Fördergas die Flüssigkeit aus dem Behälter gedrückt.
 

Entleerung durch Druck verursacht die schwersten Unfälle

Unfälle treten bei allen Entladungsmöglichkeiten auf, die meisten schweren Unfälle geschehen jedoch bei der Druckentladung.
Weiters besteht bei der Druckentleerung auch die Gefahr der Zerstörung des Lagerbehälters beim ungeregelten Entspannen der Förderluft am Ende des Entladevorganges. Darüber hinaus ist die Gefahr der Überfüllung des Lagertanks bei fehlender automatisierter Absperrarmatur in der Förderleitung gegeben. Wir empfehlen daher grundsätzlich die Entladung durch Abpumpen oder Schwerkraft, da der zu entladende Tankwagen dabei nicht unter Druck steht. Die möglichen Auswirkungen bei einer Leckage der Entladeeinrichtung sind hier wesentlich geringer.


Sicherheitstechnische Empfehlungen für Druckentladung

Im Zuge einer Sicherheitsinitiative der Donau Chemie Gruppe haben wir umfassende Empfehlungen zur sicheren Tankwagenentladung für sämtliche Entladungsmöglichkeiten ausgearbeitet. Dieses Know-how stellen wir unseren Kunden in Form von Beratungsschulungen zur Verfügung.
Im Folgenden möchten wir Ihnen einen kurzen Überblick unserer sicherheitstechnischen Empfehlungen für die Druckentleerung geben, da hier das größte Gefahrenpotential besteht. Diese umfassen - wie auch bei den anderen Entladeformen - sowohl bauliche als auch organisatorische und allgemeine technische Anforderungen. Bei einer Entleerung durch Druck sind zusätzlich spezielle Anforderungen zu berücksichtigen.
 

1. Bauliche Anforderungen der Verladeeinrichtung

Für eine sichere Tankwagenentladung ist die entsprechende bauliche Ausstattung der Entladeeinrichtung erforderlich:
  • dichter und medienbeständiger Boden
  • Gegebenenfalls eine Überdachung
  • Auffangmöglichkeit für Leckagen
  • Früherkennungssystem für undichte Stellen
  • NOT AUS System des Entladevorganges
  • Brandmelde- und automatische Löschanlagen
  • Erdung bei brennbaren Stoffen
  • Beleuchtung
  • Notdusche
  • Notfallbehälter und Bindemittel


Verladeeinrichtung
Verladestelle. © J.Stockinger, Donauchem 2020
 

2. Organisatorische Maßnahmen

Um einen reibungslosen und sicheren Ablauf der Tankwagenentladung zu gewährleisten, empfehlen wird die Umsetzung folgender organisatorischer Maßnahmen:
  • Produktüberprüfung: Eine bewährte Maßnahme ist das Vier-Augen-Prinzip, d.h. zwei Personen überprüfen das angelieferte Produkt auf Differenzen zwischen z.B. Transportpapieren und Behälterkennzeichnungen sowie Anschlüssen. Zusätzlich ist die Entnahme und Analyse einer Probe des angelieferten Produkts sinnvoll.
  • Bedienungsanleitung: Für das Befüllen und Entleeren müssen Bedienungsanweisungen für alle umzuschlagenden Stoffe und Zubereitungen an der Füllstelle aufliegen. Die Verwendung einer Checkliste in allen notwendigen Sprachen ist zu empfehlen.
  • Geschulte Mitarbeiter: Mit der Bedienung dürfen nur vom Betreiber nachweislich geschulte Personen betraut werden. Diese überwachen den gesamten Füllvorgang und sollten mit geeigneter persönlicher Schutzausrüstung außerhalb des Gefahrenbereichs ständig anwesend sein.
  • Persönliche Schutzausrüstung: Mitarbeiter müssen während der Tankwagenentladung mit einer chemisch resistenten Schutzausrüstung ausgestattet sein.
  • Kennzeichnung: Sämtliche Armaturen bzw. Anschlussstutzen müssen eindeutig und dauerhaft beschriftet sein, um Fehlbedienungen zu vermeiden. Je nach Einzelfall können zusätzliche Kennzeichnungen erforderlich sein. Weiters sind die erforderlichen Schilder laut Kennzeichnungsverordnung anzubringen.

Eindeutige Kennzeichnung
Beschilderung laut Kennzeichnungsverordnung. © J.Stockinger, Donauchem 2020
 

3. Allgemeine technische Anforderungen

Grundsätzlich sollte während der Tankwagenentladung der Entladebereich immer abgesperrt sein. Außerdem empfehlen wir, auf die Erfüllung nachfolgender Anforderungen zu achten:
  • Materialqualität: Pumpen, Schläuche, Anschlussstücke, Rohrleitungen und Dichtungen müssen ebenso wie die zu befüllenden Behälter den zu erwartenden mechanischen, thermischen und chemischen Beanspruchungen standhalten.
  • Anlagendichtheit: Die Anlagen sind technisch dicht auszuführen und mit einer jährlichen Druckprobe zu überprüfen.
  • Entleerungsvorrichtungen: Für das Entleeren von Tankwägen können Entladearme oder Schläuche (mit Zugentlastungseinrichtung) verwendet werden. Eventuell ist auch der Einsatz von Trockenkupplungen bzw. Abrisskupplungen möglich.
  • Überwachung/Monitoring: Medienüberwachung (Ultraschall, pH-Wert, Leitfähigkeit, etc.) der zu entladenden Produkte.
  • Emissionsreduktion: Beim Befüllen von Lagerbehältern sollte ein Gaspendelsystem genutzt werden, um diffuse Emissionen zu reduzieren. Alternativ ist je nach Produkt auch die Verwendung von Abgaswäschern oder Aktivkohlefiltern möglich, wenn eine Gaspendelleitung nicht verwendet werden kann.
  • Not-Halt-System: Entladeeinrichtungen müssen zur Abwendung oder Minderung einer unmittelbar drohenden oder eingetretenen Gefahr mit einem Notfallsystem ausgerüstet sein.
Notfalls System
Notfallssystem. © J.Stockinger, Donauchem 2020
 

4. Sicherheitsmaßnahmen bei Druckentladung

Die üblichen Entladeeinrichtungen sind oft unsicher und können ein Risiko für Arbeitnehmer und Fremdfirmen darstellen. Als technisch ausgereifte Alternative empfehlen wir die Installation eines Notaussystems mit Entlüftung. Weitere wichtige Maßnahmen zur Reduktion des Risikos bei Druckentladung lassen sich wie folgt zusammenfassen:
  • Druckreduktion / Sicherheitsventil
  • Verwendung von produktspezifischen, hochbeständigen Schläuchen, verbunden mit regelmäßiger Schlauchprüfung
  • Fernbedienbarkeit des Tankwagenventils wenn möglich
  • Notdusche(n), Notfallset in Reichweite bzw. örtlicher Nähe
  • dauernde Anwesenheit von Fahrer und Anlagenpersonal
  • PSA Verwendung
  • Absperrung des Gefahrenbereichs für Unbefugte
 

Best Practice Tankwagenentladung

Wie könnte nun eine sicherheitstechnisch optimale Tankwagenentladung ablaufen, die den zuvor genannten Anforderungen entspricht. Dazu ein Best Practice Beispiel mit der Berücksichtigung erforderlicher Tätigkeiten vor und nach der Entladung.

Tätigkeiten vor dem Entladevorgang:
  • Sicherung des Tankwagens mittels Feststellbremse bzw. Unterlegkeilen
  • Prüfen der Lieferpapiere und Beförderungspapiere (ADR Check)
  • Öffnen des Domdeckels mit Entnahme und Analyse einer Probe
  • Falls notwendig: Herstellung des Potentialausgleichs und der Erdung (bei brennbaren Produkten)
  • Herstellen der Füllverbindung (Schlauch an Tankwagen und Anlage anschließen)
  • Prüfung auf Übereinstimmung der Kennzeichnung des Füllanschlusses mit dem abzufüllenden Produkt (4-Augenprinzip)
  • Überprüfung auf Unversehrtheit, ordnungsgemäße Funktion und Dichtheit der Füllverbindung einschließlich der Armaturen und beweglichen Anschlussleitungen

Tankwagenentladung best practice

Tätigkeiten nach dem Entladevorgang:
  • Schließen sämtlicher Ventile des Tankwagens und des Domdeckels
  • Schließen sämtlicher Ventile der Entladeanlage
  • Entspannen und Restentleeren des Füllschlauches
  • Trennen der Füllverbindung
  • Reinigung, falls erforderlich ADR-Check
 

Fazit: Sicherheit in der Tankwagenentladung

Umschlagsanlagen für Tankfahrzeuge müssen über bestimmte allgemeine Sicherheitseinrichtungen verfügen, um entladen zu können. Dazu gehören bauliche, organisatorische und technische Maßnahmen. Insbesondere bei der risikoreichen Druckentladung empfehlen wir zusätzliche Maßnahmen zur Verhinderung von schweren Unfällen.

Unseren Kunden bieten wir im Rahmen einer Beratung mit Unterlagen die Möglichkeit zur Optimierung ihres Sicherheitskonzepts für die Tankwagen- oder Kesselwagenentladung. Bei Interesse kontaktieren Sie bitte unseren Außendienstmitarbeiter, der Sie über die weitere Vorgangsweise informieren wird.

Donauchem GmbH
www.donauchem.at
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Kommentare(1)

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Mitteilung*  
Cornelia Hasel 04.02.2021
Sehr interessant und informativ - danke!