Markt & Trends

Leuchtturmprojekt in Oberösterreich: Ökologische Schilfvererdung in der Kläranlage Polling

13. August 2026
Wassertechnik
Abwasserreinigung Schilfvererdung Kläranlage Polling Luftaufnahme
©Bauerplan

Auch so kann man Klärschlamm behandeln und entwässern: mit dem natürlichen, biologischen Verfahren der Schilfvererdung. In Polling im Innkreis entsteht so ein nachhaltiges Vorzeigeprojekt – auch, weil zwei Kläranlagen zusammengelegt werden.       



Technik und Ökologie zusammen gedacht

Mit dem umfassenden Umbau und der Erweiterung der Kläranlage in Polling entsteht derzeit eines der bedeutendsten Abwasserprojekte des Landes, das technische Innovation, Nachhaltigkeit und regionale Zusammenarbeit verbindet.

Das ökologische und funktionale Herzstück der Anlage bildet die naturnahe Klärschlammbehandlung mittels Schilfvererdungsbecken. Sie prägt die gesamte zukünftige Betriebsweise entscheidend.



Zusammenlegung schont Ressourcen und Kosten

Ausgangspunkt ist ein großer Umbau, der bis 2027 abgeschlossen sein soll: Die Kläranlage RHV Kobernaußerwald (4.800 EW) in der Marktgemeinde Lohnsburg wird größtenteils abgetragen. Die Abwasserbehandlung wird künftig ausschließlich in Polling (aktuell 6.300 EW) durchgeführt und reicht nach dem Umbau für 12.500 Einwohnerwerte (EW). Damit ist die Kläranlage langfristig zukunftssicher dimensioniert.

Die bestehende Infrastruktur wird durch die Zusammenlegung der Kläranlagen gebündelt. Die Vorteile: höhere Betriebssicherheit, effizientere Prozessabläufe, zentrale Überwachung und Steuerung sowie eine deutlich bessere Reinigungsleistung.



Klärschlammbehandlung mittels Schilfvererdung

Den Kern der Anlage bildet die Schilfvererdung, eine rein biologische Klärstufe.

In großen Becken durchwurzelt Schilf (Phragmites australis) den flüssigen Klärschlamm ohne jegliche Zusätze und nimmt Wasser auf. Ein Großteil verdunstet über die Pflanzen, der Rest fließt über Drainagesysteme im Beckenboden ab. Das reduziert das Volumen des Nassschlamms um bis zu 98 Prozent!

Durch den Sauerstoffeintrag der Wurzeln wird der Schlamm biologisch abgebaut. Nach 8 bis 15 Jahren – je nach Auslegung und Schlammanfall – werden die Becken mechanisch geräumt. Die nährstoffreiche Erde wird als Humus in der Landwirtschaft genutzt.

Bauarbeiten Schilfvererdung Kläranlage Polling
©Bauerplan

Voll ökologisch: Die Vorteile der Schilfvererdung

Schilfvererdung basiert ausschließlich auf natürlichen Prozessen:

  • Durchwurzelung des Schlamms durch Schilfpflanzen

  • kontinuierliche Entwässerung über Verdunstung und Transpiration

  • Sauerstoffeintrag in die Schlammschichten

  • Förderung mikrobiologischer Abbauprozesse im Wurzelraum

  • langfristige Stabilisierung und Mineralisierung des Schlamms      


Das Schlammvolumen und damit der Entsorgungsaufwand werden stark reduziert. Gleichzeitig arbeitet das System nahezu geruchlos, mit minimalem Energieeinsatz und damit weniger CO2-Ausstoß und fügt sich naturnah in die Umgebung ein.



Donau Chemie berät zu ökologischen Verfahren

Die Donau Chemie Wassertechnik beliefert die Kläranlage Polling seit vielen Jahren mit dem Flockungs- und Fällungsmittel Donau Klar. Der zuständige Kundenbetreuer Rudolf Bauer sagt: „Diesem Kunden ist Nachhaltigkeit ein großes Anliegen, das wir voll unterstützen; das ist für uns klar und verständlich. Daher betreiben wir bei der Donau Chemie im Werk Brückl größte Photovoltaikanlage und nutzen in den meisten unserer Werke seit Jahrzehnten Wasserkraft zur Energiegewinnung.“

Auch bei der Zusammenlegung der beiden Kläranlagen hat die Donau Chemie unterstützt, etwa mit Schwefelwasserstoffmessungen in den Leitungen beim Umbau.



Fazit: Ausbau der nachhaltigen Klärschlammbehandlung

Im Rahmen des Umbaus wird die Klärschlammbehandlung mittels Schilfvererdungsbecken gezielt erweitert. Ein zusätzliches Becken mit rund 2.000 m² Nutzfläche erhöht die Kapazität der Anlage und sichert deren langfristige Leistungsfähigkeit auch bei steigenden Anforderungen.

Mit einem Investitionsvolumen von rund fünf Millionen Euro handelt es sich um die bislang größte Investition des RHV Polling.

Die Verbindung aus moderner Technik und natürlichen biologischen Prozessen zeigt exemplarisch, wie Infrastruktur nachhaltig, ressourcenschonend und zukunftsfähig gestaltet werden kann. Damit wird die Kläranlage Polling zu einem Vorzeigeprojekt für ökologische Abwasserbehandlung in Oberösterreich.