Auch so kann man Klärschlamm behandeln und entwässern: mit dem natürlichen, biologischen Verfahren der Schilfvererdung. In Polling im Innkreis entsteht so ein nachhaltiges Vorzeigeprojekt – auch, weil zwei Kläranlagen zusammengelegt werden.
Technik und Ökologie zusammen gedacht
Mit dem umfassenden Umbau und der Erweiterung der Kläranlage in Polling entsteht derzeit eines der bedeutendsten Abwasserprojekte des Landes, das technische Innovation, Nachhaltigkeit und regionale Zusammenarbeit verbindet.
Das ökologische und funktionale Herzstück der Anlage bildet die naturnahe Klärschlammbehandlung mittels Schilfvererdungsbecken. Sie prägt die gesamte zukünftige Betriebsweise entscheidend.
Zusammenlegung schont Ressourcen und Kosten
Ausgangspunkt ist ein großer Umbau, der bis 2027 abgeschlossen sein soll: Die Kläranlage RHV Kobernaußerwald (4.800 EW) in der Marktgemeinde Lohnsburg wird größtenteils abgetragen. Die Abwasserbehandlung wird künftig ausschließlich in Polling (aktuell 6.300 EW) durchgeführt und reicht nach dem Umbau für 12.500 Einwohnerwerte (EW). Damit ist die Kläranlage langfristig zukunftssicher dimensioniert.
Die bestehende Infrastruktur wird durch die Zusammenlegung der Kläranlagen gebündelt. Die Vorteile: höhere Betriebssicherheit, effizientere Prozessabläufe, zentrale Überwachung und Steuerung sowie eine deutlich bessere Reinigungsleistung.
Klärschlammbehandlung mittels Schilfvererdung
Den Kern der Anlage bildet die Schilfvererdung, eine rein biologische Klärstufe.
In großen Becken durchwurzelt Schilf (Phragmites australis) den flüssigen Klärschlamm ohne jegliche Zusätze und nimmt Wasser auf. Ein Großteil verdunstet über die Pflanzen, der Rest fließt über Drainagesysteme im Beckenboden ab. Das reduziert das Volumen des Nassschlamms um bis zu 98 Prozent!
Durch den Sauerstoffeintrag der Wurzeln wird der Schlamm biologisch abgebaut. Nach 8 bis 15 Jahren – je nach Auslegung und Schlammanfall – werden die Becken mechanisch geräumt. Die nährstoffreiche Erde wird als Humus in der Landwirtschaft genutzt.
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