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Engpass bei Salzsäure und wie Sie Ihre Versorgung sicherstellen

Donauchem
Salzsäure ist eine der wichtigsten Grundchemikalien der chemischen Industrie und kommt als integraler Bestandteil der Chlorchemie in vielen industriellen Prozessen zum Einsatz. Seit Beginn des letzten Quartals 2020 gibt es in Europa eine starke Verknappung von Salzsäure. Wir beleuchten die Hintergründe der begrenzten Verfügbarkeit und geben einen Ausblick auf die kommenden Monate.
 

Wie wird Salzsäure eigentlich hergestellt?

Salzsäure (HCl) kann durch Direktsynthese aus Elementen oder als Nebenprodukt in verschiedenen Prozessen erzeugt werden. In Abhängigkeit vom Herstellungsverfahren entstehen verschiedene Arten von Salzsäure, die in Qualität und Reinheit differieren. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen technischer Salzsäure und synthetischer Salzsäure:  
 

1. Technische Salzsäure entsteht als Nebenprodukt

In der Industrie wird Salzsäure zum größten Teil als Nebenprodukt gewonnen, z.B. bei der Chlorierung organischer Verbindungen. Technische Salzsäure ist mit Spuren organischer Verbindungen verunreinigt und wird vor allem in Industrien mit geringeren Qualitätsanforderungen eingesetzt.

Der überwiegende Anteil der Salzsäure entsteht bei der Herstellung von Polyvinylchlorid (PVC) sowie von Polyurethan (PU), genauer gesagt bei der Herstellung der zu Grunde liegenden Rohstoffe Vinylchlorid sowie von Isocyanaten, die in der Herstellung von PU Verwendung finden. PU und PVC finden in vielen verschiedenen Industrien Verwendung, z.B. in der Automotive- und Bauindustrie.

PVC- und PU-Produzenten sind für fast den gesamten Salzsäure-Ausstoß verantwortlich, da die Salzsäure bei beiden Produkten als Nebenprodukt anfällt. Sobald weniger PU oder PVC produziert wird, fällt auch weniger Salzsäure an. Salzsäure als typisches Koppelprodukt der chemischen Industrie unterliegt daher starken Produktionsschwankungen, die in weiterer Folge Verfügbarkeit und Marktpreis bestimmen.
 

2. Synthetische Salzsäure wird gezielt hergestellt

Synthetische Salzsäure ist kein Nebenprodukt eines Prozesses, sondern wird gezielt hergestellt, wenn eine sehr hohe Qualität und Reinheit benötigt wird. Da die Herstellung synthetischer Salzsäure unabhängig von der vorgelagerten PVC/PU-Produktion ist, stellt sie eine stabile Alternative zur technischen Salzsäure dar.

In Österreich ist die Donau Chemie AG mit jährlich rund 91.000 Tonnen der einzige Produzent synthetischer Salzsäure. Die Erzeugung erfolgt durch die Verbrennung von gasförmigem Chlor und Wasserstoff in einer ca. 2.000°C heißen Flamme. Das durch die Verbrennung entstehende HCl-Gas wird in Wasser absorbiert und verlässt als 30 bis 38%-ige Salzsäure den Salzsäureofen. Die bei der Salzsäuresynthese entstehende Reaktionswärme wird zur Wasserdampfgewinnung genutzt. Damit wird eine signifikante Reduzierung des CO2-Ausstoßes und der Schwefeldioxid-Emissionen erzielt.
 
Die nach diesem Verfahren hergestellte synthetische Salzsäure ist hochrein und wird in verschiedenen Industriezweigen eingesetzt, z.B. in der Elektronik-Industrie zum Ätzen von Leiterplatten, in Verzinkereien zur Anbeize von Blech, in der Wasseraufbereitung (zur Regeneration von Ionentauschern) oder in der Pharmaindustrie.
 

Was sind die Ursachen für die Verknappung von Salzsäure?

Ein großer Teil der Salzsäure in Europa wird als Nebenprodukt der PU-Industrie hergestellt. Bereits im 3. Quartal 2020 kam es aufgrund von Unterbrechungen der vorgelagerten Isocyanatproduktion zu einer Angebotsverknappung von Salzsäure. Zusätzliche Produktionsprobleme sowie Ausfälle in der PVC-Industrie haben die HCl-Verfügbarkeit zu Beginn des 4. Quartals 2020 weiter verschlechtert. Die Ursache dafür ist in einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren zu finden:
 

1. Anlagenausfälle durch verschobene Wartungen

Im Normalfall kündigen Produzenten geplante Wartungen rechtzeitig an und achten darauf, dass nicht alle Anlagen gleichzeitig stillgelegt werden. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie mussten jedoch HCl-Lieferanten ihre im Frühjahr 2020 geplante Revision auf den Herbst verschieben.  
 

2. Force Majeure bei großen Salzsäure-Zulieferern

Die Produktionsanlagen der beiden Konzerne BASF und Covestro bilden das Rückgrat der europäischen HCl-Versorgung. Neben den verschobenen Wartungen haben mehrere Anlagenausfälle durch Force Majeure die Produktion um bis zu 70 Prozent reduziert.

Zunächst erklärte der Chemieproduzent BASF Anfang September 2020 in seinem Werk in Ludwigshafen aufgrund technischer Probleme Force Majeure. Es folgte eine weitere Force Majeure Erklärung durch den Polymerhersteller Covestro nach einem Pumpenausfall in seinem Werk in Dormagen in Deutschland. Beide betroffenen Isocyanat-Anlagen machen mit einer Kapazität von jeweils 300.000 Tonnen/Jahr den größten Teil des europäischen Angebots aus.

Berichten zufolge hat Covestro am 23. Oktober 2020 seine Isocyanat-Einheit in Dormagen neu gestartet. Force Majeure blieb jedoch weiterhin bestehen. Andererseits kündigte die BASF an, in den kommenden Wochen die Produktion in Ludwigshafen wieder aufzunehmen. Keines der beiden Unternehmen legte einen bestimmten Termin für die Force Majeure Aufhebung fest. Die begrenzte Verfügbarkeit von Salzsäure blieb bis Jahresende anhaltend.

Hinzu kamen mehrere Wartungs- und Störungsstillstände in der PVC-Industrie, die zu einer weiteren Verknappung von Salzsäure führten. Inovyn hatte bereits Anfang September 2020 Force Majeure bei der HCl-Produktion ausgerufen. Der Ausfall von vier Anlagen verschärfte die ohnehin eingeschränkte Verfügbarkeit von Salzsäure, nachdem ein Stromschlag die Produktion im Werk Rheinberg bereits in der ersten Augusthälfte 2020 zum Erliegen brachte.

Zusätzlich erklärten am 13. Oktober 2020 sowohl Kem One (FRA) und auch Shin-Etsu Chemical Force Majeure auf PVC-Lieferungen der Standorte Saint-Fons und Balan (FRA) sowie Pernis (NL).
 

3. Sinkende Nachfrage nach Polyurethan

Covid-19 führte im vergangenen Jahr zu einer deutlich geringeren Nachfrage der Automotive-Industrie nach Polyurethan. Laut Angaben der European Automobile Manufacturers Association (ACEA) hat die Schließung von Produktionsstätten und die geringe Nachfrage einen Rückgang des Automobilmarktes in der EU um 20 Prozent verursacht. PU-Hersteller haben entsprechend reagiert und die Produktion heruntergefahren. Im Zusammenspiel mit den zuvor genannten stör- und wartungstechnischen Ausfällen hat dieser Nachfrageeinbruch die Verknappung von Salzsäure zusätzlich verschärft.
 

Ausblick 2021

Die Nachfrage nach Salzsäure war bis zum 3. Quartal 2020 aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie in einigen Anwendungsbereichen, z.B. in der Metallindustrie, abgeschwächt. Die begrenzte Verfügbarkeit fiel somit nicht so sehr ins Gewicht.

Seit Herbstbeginn 2020 stieg jedoch die Nachfrage für Anwendungen, die ein halbes Jahr lang auf Sparflamme gelaufen sind. Infolgedessen wird erwartet, dass die Verknappung bis in den Jänner/Februar 2021 hineinlaufen wird.

Die aktuelle Verknappung von Salzsäure ist vorwiegend auf Ausfälle von PU-Anlagen und reduzierte PU-Produktion zurückzuführen. Sobald die Produktionsprobleme gelöst sind, wird sich die Verfügbarkeit voraussichtlich wieder auf ein normales Niveau zu bewegen. Davon ist allerdings nur dann auszugehen, wenn die PVC-Nachfrage seitens der Bauindustrie stabil bleibt. 

Derzeit erlebt die Baubranche einen enormen Boom, PVC-Hersteller produzieren auf Volllast und die PVC-Preise steigen. Sollten aber die Forecasts für die Bauindustrie schlecht ausfallen, wird die PVC-Industrie 2021 ihre Produktion zurückfahren. Der damit einhergehende verminderte Salzsäureausstoß könnte zu einer zweiten Welle in der Verknappung von Salzsäure führen.   

In Hinblick auf die PU-Produktion für die Automotive-Industrie bleibt die Lage auch 2021 angespannt. Laut einer KPMG-Umfrage gehen die Automobil-Hersteller davon aus, dass sie das Produktionsniveau von 2019 erst im Jahr 2022 oder 2023 wieder erreichen werden. Für 2021/2022 ist somit seitens der Automotive-Industrie weiterhin mit einer verringerten PU-Nachfrage zu rechnen. 
 

HCl-Marktpreise und Preisentwicklung

Da die maßgeblichen, großen Preisverhandlungen auf Jahresbasis abgewickelt werden, gab es bisher keine wesentlichen Preisänderungen im Kontraktgeschäft. Die jährlichen Vertragspreisgespräche haben bereits Ende November 2020 begonnen. Im Spotgeschäft mit loser und abgepackter Ware ist allerdings schon eine deutliche Verknappung und einhergehende Preissteigerungen erkennbar. Auch im Kontraktgeschäft für 2021 zeichnet sich eine entsprechende Preiserhöhung ab.
 

Fazit: Versorgungssicher aufstellen  

In der Vergangenheit war Salzsäure im Überfluss vorhanden. Diese Zeit scheint vorerst vorbei zu sein. Turbulenzen auf dem europäischen Markt haben zu einer unsicheren Versorgungslage geführt, die voraussichtlich auch noch 2021 anhalten wird.

Unternehmen, die für ihre Herstellungsprozesse in Europa auf Salzsäure angewiesen sind, sollten daher prüfen, ob die Versorgung aus anderen Quellen gesichert werden kann. 

Ein hohes Maß an Versorgungssicherheit und Qualität bietet synthetische Salzsäure. Da sie unabhängig von PVC/PU-Herstellern erzeugt wird, ist eine stabile Produktion mit gleichmäßigem Ausstoß gewährleistet. Egal, welche Turbulenzen den PVC/PU Markt schütteln - synthetische Salzsäure ist verlässlich zu allen Zeiten verfügbar.

Donauchem GmbH
Mehr Informationen finden Sie unter www.donauchem.at


Weiterführende Links:
Anorganische Chemikalien aus Produktion der Donau Chemie
Donauchem

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