Die Abwasserreinigung ist ein wichtiger Prozess , um die Umwelt zu schützen und sauberes Wasser zu gewährleisten. Unser Abwasser durchläuft dabei drei bzw. vier Reinigungsstufen. In diesem Beitrag sehen wir uns die Stufen genauer an und blicken auf die Zukunft der Abwasserreinigung.
Wie funktioniert die Abwasserreinigung?
Der Prozess der Abwasserreinigung zielt darauf ab, Verunreinigungen aus Abwasser jeglicher Art zu entfernen, bevor es wieder in natürliche Gewässer geleitet wird. Das Ziel der Reinigung kommunaler Abwässer besteht in erster Linie in der Entfernung der wesentlichen Nährstoffe wie Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor. Industrielle Abwässer enthalten meist andere Verunreinigungen, daher unterscheidet sich deren Reinigungsziel und oft auch der Prozess der Abwasserreinigung.
Die moderne kommunale Abwasserreinigung besteht im Wesentlichen aus drei Stufen:
Die 3 klassischen Reinigungsstufen der Abwasserreinigung
1. Mechanische Abwasserreinigung
Die mechanische Abwasserreinigung ist der erste Schritt in der Abwasserbehandlung, der Sand, Hygieneartikel, Papier, Speisereste, Fette und andere grobe Schmutzpartikel abscheidet. Indem das Wasser mit verschiedenen Techniken, wie Rechen, Sandfänge oder Absetzbecken behandelt wird, werden dabei zunächst sichtbare und grobe Verunreinigungen entfernt.
2. Biologische Abwasserreinigung
Die biologische Abwasserreinigung zielt auf organische Verschmutzungen, unter anderem Kohlenhydrate, Eiweiße oder Fette im Abwasser ab. Diese werden mittels Mikroorganismen in Belebungsbecken und unter ständiger Zufuhr von Sauerstoff zersetzt. Durch verschiedene Prozesse wie die Nitrifikation oder die Denitrifikation werden Stickstoffverbindungen zu gasförmigem Stickstoff umgewandelt. Andere Schmutzstoffe werden ebenso durch Stoffwechselprozesse verwertet und so in die Bakterienmasse integriert.
Anschließend fließt das Wasser in Nachklärbecken, wo sich die Bakterien als Belebtschlammflocken nach und nach absetzen. Übrig bleibt eine Biomasse als Schlamm am Beckenboden, das gereinigte Wasser fließt über einen Überlauf ab.
3. Chemische Abwasserreinigung
Bei der chemisch-physikalischen Abwasserreinigung, die als dritte Behandlungsstufe bezeichnet wird, werden chemische Produkte (sogenannte Fällungsmittel, häufig Eisen(III)chloride) verwendet, um Stoffe wie Phosphate aus dem Abwasser zu entfernen. Gleichzeitig tragen die eingesetzten Fällungsmittel zu einer besseren Schlammflockung und damit zu einer guten Abtrennung des Bakterienschlamms vom gereinigten Wasser bei.
Schwermetalle oder andere schädliche Substanzen können ebenso mittels chemisch-physikalischer Reinigung aus dem Abwasser entfernt werden.
Schlammbehandlung
Der in der biologischen Stufe abgetrennte Schlamm wird einer weiteren Behandlung zugeführt. Das kann im einfachsten Fall eine Entwässerung sein. Vor allem größere Kläranlagen verfügen mittlerweile über eine anaerobe Schlammbehandlung. Dabei wird der Schlamm in meist weithin sichtbaren Faultürmen unter Luftabschluss mikrobiologisch umgesetzt. Bei dieser Schlammstabilisierung werden die organischen Stoffe zum Teil zu Methan umgewandelt. Dieses Gas wird dann vor Ort verbrannt, wodurch Wärme und elektrischer Strom erzeugt wird. Das verbessert die Energiebilanz einer Kläranlage wesentlich und ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.
Klärschlamm wird heute zunehmend als Wertstoff und immer weniger als Abfall gesehen. In ihm ist vor allem Phosphor gebunden. Daher ist die landwirtschaftliche Verwertung als Ersatz für Düngemittel weit verbreitet. Dabei wird der Schlamm direkt oder in Form von Kompost in der Landwirtschaft und im Landschaftsbau genutzt.
In den letzten Jahren wird vermehrt über eine gezielte Entfernung des Phosphors aus dem Schlamm nachgedacht. Phosphor ist ein essentieller Nährstoff in der Landwirtschaft. Er wird in der EU als kritischer Rohstoff gesehen, da wir auf die Versorgung aus externen Ländern angewiesen sind. Länder wie die Schweiz oder Deutschland haben diese Phosphor-Rückgewinnung bereits auch gesetzlich festgeschrieben. Die Wertstoffrückgewinnung ist ein wichtiger Baustein in der Nachhaltigkeitsstrategie der Europäischen Union. Klärschlamm wird in Zukunft auf EU- und nationaler Ebene verstärkt als Rohstoff betrachtet werden.
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